Der Friedrich-Engels-Ring gestern und heute

Der Friedrich Engels Ring gestern und heute

1850 standen, so wird berichtet, vermutlich nur 10 Häuser außerhalb der Stadtbefestigung. Erst 1863 wurde in Neubrandenburg eine seit dem Mittelalter bestehende Torsperre aufgehoben. Die Ackerbürgerstadt Neubrandenburg erlebte mit dem Eisenbahnanschluss seit 1864 einen wirtschaftlichen Aufschwung und wahren Bauboom. Mit Eisenbahn und Industrie entstanden rings um den Wall repräsentative bürgerliche Villen, umgeben von idyllischen Gärten.

Die Straßen und Wege am heutigen Friedrich-Engels-Ring hatten viele Namen und Umbenennungen in den verschiedensten politischen Phasen Mecklenburgs: Aus der ursprünglichen 1.-5. Wallstraße wurden Elisabethstraße, Adolf-Friedrich-Straße, An der Linde, Moltkestraße und Schützenwall. In der DDR durfte es keine „reaktioäre“ oder „feudalistische“ Straßennamen geben- so wurden Elisabeth & Adolf Friedrich-Straße in Rudolf-Breitscheid-Straße und die Moltkestraße in Berliner Straße umbenannt. Zum 160. Geburtstag von Engels wurden von der SED-Regierung die Straßen des Neubrandenburger Ringes einheitlich in „Friedrich-Engels-Ring“ umbenannt. Mit dem Bau des ehemaligen Rat des Bezirkes (heute Rathaus) und der 3-spurigen Einbahnstraßenregelung des Ringes wurden zwischen 1967 und 1969/70 zahlreiche historische Villen einfach weggerissen. Damit verlor das im 2. Weltkrieg zerstörte Neubrandenburg ein großes Stück seiner Idendität.

Der Friedrich-Engels-Ring als Knotenpunkt von B96, B104, B192 und städtischen Autoverkehr, zählt am Pferdemarkt 35.000, manchmal bis zu 70.000 Fahrzeugbewegungen pro Tag. Der Ring ist somit die vielbefahrenste Straße Norddeutschlands. Wollen Sie von einem Neubrandenburger Stadtteil in einen anderen gelangen, so müssen sie unweigerlich über den Ring fahren- das ehemals moderne Einbahnstraßenverkehrskonzept aus den 1970er Jahren entwickelte sich mit wachsendem Verkehrsaufkommen immer mehr zur Archillesferse der Stadt. Die Autofahrer stehen im Stau.

Wohl gemerkt: Richtiger Stau entsteht nur zur Hauptverkehrszeit, bei Unfällen oder Bauarbeiten. Doch obwohl in Neubrandenburg zwischen 20:30 Uhr und 06:00 Uhr die Bürgersteige „hochgeklappt“ werden, stehen Kraftfahrer an den Ampelanlagen viel zu häufig in der roten Welle. Ob Tag oder Nacht- das ständige Bremsen und Beschleunigen an den Ampelanlagen erzeugt eine unnötige Menge Feinstaub, giftige Abgase und viel Lärm. Ein alternatives Verkehrskonzept oder die Einführung intelligenter stadtübergreifender Verkehrsleiteinrichtungen scheiterte aus verschiedensten Gründen. Ein wesentlicher Grund ist jedoch, dass man an altem lieber fest hält und neues alt baut: Die innerörtliche Umgehungsstraße ist mit Ampeln und langen Wartezeiten gespickt, hat keine kreuzungslose Anbindung und endet mitten in der Stadt…. So steht auch hier der Autofahrer stets im Stau. Doch zurück zum Friedrich-Engels-Ring und zu den vielen schönen Villen, an denen die meisten Verkehrsteilnehmer achtlos vorbeirasen. Es lohnt sich, mal genauer hinzuschauen- kommen Sie, lieber Leser, doch einfach mit!

Tip: Damit sie nicht all zu sehr unter Verkehrslärm und Abgasen leiden müssen, bleiben sie auf dem Wall!

Am Pferdemarkt 1

Die Villa ist das schönste historische Fachwerkwohnhaus von Neubrandenburg. Seit  1911 wohnten hier Klavierlehrerin Ida Schulz mit ihrer Schwester Else. Sie gaben Klavier- und Geigenunterricht. In den 1980er Jahren wurde in dem Haus die Neubrandenburger Kunstsammlung untergebracht. Fast wäre es verfallen und abgerissen worden. Doch vor einigen Jahren übernahm der Regenbogenverein e.V. das Haus und saniert es seit dem mit Fördergeldern und Unterstützung ansässiger Firmen. Einige Langzeitarbeitslose arbeiteten mittels 1 € Job sehr sinnvoll an diesem Projekt. Im Obergeschoß entstehen 2 Wohnungen für den Verein. Betrachtet man das Haus von Näherem und schaut durchs Fenster, beschleicht einen jedoch der Eindruck des Stillstandes.

Friedrich Engels Ring 1A, früher Elisabethstraße 1a

Das Haus wurde ca. 1900-1905 von Franz Albrecht erbaut. Zu DDR- Zeiten saß hier die FDJ Kreisleitung. Wer über Jugendtourist verreisen wollte, musste hier einen Antrag fürs Ausland stellen. Zur Wende wurde die FDJ-Kreisleitung von der Jugend besetzt.

Friedrich Engels Ring 1

Hier betrieb Familie Degner eine LKW Werkstatt, danach gehörte es zum VEB Kraftverkehr. Hinter riesigen Toren wurden IKARUS-Busse und LKWs gewartet. Seit 1977 wurden dann vom RFT Radio & Fernseher repariert. Hier befand sich der RFT Ersatzteilgroßhandel. Heutiger Eigentümer ist Umzug 2000, Firma Gillmeister. Aus der Schmuddelecke Güterbahnhof hat Herr Gillmeister ein sehr schönen Gesamtkomplex entwickelt! Auch über das Umzugsunternehmen kann ich nur Gutes berichten.

Friedrich Engels Ring 2

Seit 1924 gehörte die Villa einer Familie Heydemann. Ca. 1970 hatte in dieser Villa der
Kaufmann Ziech seinen Laden; er handelte praktisch mit allen Waren in
einer Zeit, in der es eigentlich gar nichts gab. Kaufmann Ziech besaß ein Haus in der Nähe des neuen Rathauses. Als die Parteischule
entstand, wurde sein Haus abgerissen. Als Entschädigung wurde Ihm das Haus Friedrich Engels Ring 2 zugewiesen. Heute werden in der
Villa von Dr. Wohlrab schwere Fälle in bester Qualität bearbeitet: Zähne werden repariert und Implantate professionell eingepflanzt.
Früher oder später wird jeder von uns/euch hier als Wurzel- Patient landen.

Friedrich Engels Ring 3

Ungefähr 1883 erbaut, seit 1936 Kreisleitung der Ortskrankenkasse, zu DDR- Zeiten dann die Sozialversicherungskasse. Derzeit ist die Villa Firmensitz der ROSTOW Bau .

Friedrich Engels Ring 4 (rechter Eingang)

1879 von Wilhelm Metelmann als Kolonialwarenhandel- Firmensitz erbaut. Von 1891- 1895 war hier die erste Kunstsammlung von Neubrandenburg untergebracht.
Metelmann wurde 1910 Senator der Neubrandenburger Bürgerschaft.

Friedrich Engels Ring 5 (linker Eingang)

Baustoff & Kohlenhändler & Steinmetzbetrieb Wilhelm Jaeger kaufte 1905 dieses Haus. Übrigens schuf sein Sohn, Wilhelm Heinrich Jaeger, den Mudder- Schulten Brunnen. 1993 kaufte die Victoria-Versicherung das Haus und rekonstruierte das alte Gebäude. Auf dem Hinterhof wurden zusätzliche Wohnhäuser gebaut.

 

Friedrich Engels Ring 6

Funcksche Villa; im Volksmund wurde der Besitzer „Millionen Funck“ genannt. Ab 1952 der erste Kinder- Hort Neubrandenburgs, ab den 60ern war es das Internat der KJS. Ich will nicht lügen, meine jedoch, dass Gerd Kische, der 1960-1970 in Neubrandenburg kickte, hier eine Zeit lang wohnte. Kische wechselte danach zu Hansa Rostock. Er wurde Nationalspieler mit dem Ruf, der schnellste Rechtsverteidiger der DDR, ja der ganzen Welt zu sein. Er wurde mit der Nationalmannschaft 1976 Fußball- Olympiasieger.

Friedrich Engels Ring 7

Um 1910 war es ein Ärztehaus. Von ca. 1982 bis zum 28.11.1999 war in der Villa das Regionalmuseum untergebracht. Das edle Parkett durften Museumsbesucher nur mit Filzpantoffeln betreten. Später kam Anwalt Fricke nach Neubrandenburg und eröffnete in diesem Haus seine Kanzlei. Er stellte auch die Skulptur neben der Villa auf. Das Kunstwerk heißt “ Die gespaltene Frau“.

Friedrich Engels Ring 7A

1991 wurde diese Jugendstil- Villa vom Blitz- Verlag denkmalgerecht rekonstruiert.

Friedrich Engels Ring 8

 

Dieses Haus wurde auf dem Grundstück einer 1945 von den Russen abgebrannten Villa ca. 1955 erbaut. Viele kennen es noch als „Kaufhaus Elegant“.

Am Bahnhof 5/6

Der Bahnhof wurde 1864 eröffnet. Am 14.11.1864 um 16:30 Uhr fuhr der erste „Friedrich- Franz-Eisenbahn“ – Zug von Neubrandenburg nach Malchin. Der Bahnhof brannte 1945 ab und wurde 1948 mit selbem Grundriss wie 1846 wieder neu erbaut.

Am 30.08.2003 wurde auf dem Bahnhof ein ICE auf den Namen „Neubrandenburg“ getauft.

Am Bahnhof 3

Neogotischer Futterstall des Pferdehändlers Krasemann.Hier befindet sich das GFB – Reisebüro.

 

Friedrich Engels Ring 11

Die Handwerkskammer wurde auf dem Grundstück der abgebrannten Villa des Pferdehändlers Krasemann von 1955-1957 errichtet. Das „Haus des Handwerkes“ wurde am 10.08.1957 feierlich eröffnet. Im Keller gab es früher eine Gaststätte ( „Die Handwerkerklause“, später „Amboss“), in der es manchmal feucht-fröhlich und heiß her ging. So nannte der Volksmund die Kneipe hinter hervor gehaltener Hand gerne „Tittenkeller“.

Die Handwerkskammer wurde 2017 frisch renoviert. Mit Festraum und Bleiglasfenstern ist das Gebäude im Innenbereich sehr sehenswert.

Friedrich Engels Ring 12

1925 war hier die Raiffeisenbank ansässig. 1990 zog die Bank wieder ein, 1994 fusionierte man zur Neubrandenburger Bank. Heute findet man hier die Bahnfirma Veolia…. „Lokführer werden“ steht auf den busbahnhofseitigen Fenstern.

Busbahnhof

1957 wird mit dem Bau des Busbahnhofes begonnen. Am 1.Mai 1959 eröffnet der damalige Bürgermeister W.Rösler den neuen Busbahnhof. Im Jahre 1992 wurde der Busbahnhof nochmals komplett saniert.

Friedrich Engels Ring 15

Das Gebäudeteil direkt neben dem Busbahnhof wurde 1905 als „Hagelkasse“ erbaut. Die ursprüngliche Hagelkasse wurde 1797 vom Theologen Drepper in der Kleinen Wollweberstraße 7 gegründet und gilt somit als älteste europäische Versicherung.

In den letzten Kriegstagen wurde im Gebäude der Hagelkasse von der Wehrmacht ein Feldgericht und zahlreiche Feldpolizisten stationiert.

1947 wurde die Hagelkasse umgebaut und von 1951 (?) bis 1990 arbeitete hier der Rat der Stadt Neubrandenburg. Seit dem Jahr 2000 gehört die Nr.15 zum Landgericht.

Friedrich Engels Ring 18

Diese Villa ( Teil des heutigen Justizzentrums ) war für lange Zeit ein Wohnhaus; um 1900 lebte dort Infanteriegeneral von Knappstädt. Von Knappstädt wirkte 1871 beim Entwurf des Militärstrafgesetzbuches für das Deutsche Reich mit. Nach einer Sanierung zog 1975 das Volkspolizei-Kreisamt ein. Im Dachgeschoß wohnten Polizeikadetten. Später wurde das Gebäude vom Rat der Stadt genutzt(Ämter für Arbeit,Umwelt,Energie und Inneres). Hier arbeitete auch der spätere Oberbürgermeister Bolick.

Gerichtsstraße 10

1877 verkündete Großherzog Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Strelitz ein neues Gerichtsverfassungsgesetz, so dass Neubrandenburg ein Amtsgericht bekam. Der Stargarder Maurermeister Schmutzler errichtete das Gerichtsgebäude von 1878- 1879. Das Amtsgericht wurde 1879 eröffnet und hatte 15 Zellen. Im Justizzentrum (Fr.Engels 18) sind noch originale Zellentüren aus diesem Gebäude ausgestellt. In diesem Gebäude arbeiten Sozialgericht, Arbeitsgericht und Amtsgericht. Früher hieß die Straße „Amtsgerichtsstraße“.

Friedrich Engels Ring 21

1924 kaufte die Katholische Kirche das Gebäude und eröffnete 1925 hier das Katholisches Kinderheim Sankt Marien. Manch einer wird sich noch an die schwarz gekleideten Marienschwestern mit ihren weißen Hauben zu DDR- Zeiten erinnern. Nach dem Umzug ins neue Kinderheim in die Heidmühlenstraße, verfiel das seit 1995 geschlossene Gebäude und wurde letztendlich 2008 abgerissen. Es blieb eine bisher unbebaute Lücke.

Friedrich Engels Ring 22

Am 29.4.1945 erlebte Neubrandenburg einen Fliegerangriff. Als der vor dem Bombenangriff geflüchtete Besitzer , Dr. med. Georg Arndt, am 3.Mai zurück kam, war von einem Volltreffer alles zerstört. Nach dem Krieg baute man an dieser Stelle eine Baracke mit Fahrradwerkstatt. Die Firma Harder hatte in Neubrandenburg einen guten Ruf. Als Herr Harder sein Geschäft aufgab, übernahm 1979 KFZ-Meister Leffin den Betrieb. 1993 wurde die alte Baracke abgerissen und dafür das Fahrradhaus Leffin gebaut.

Friedrich Engels Ring 23

Hier hat die Rechtsanwaltkanzelei Leopold Bockold ihre Büros.

Friedrich Engels Ring 24

Wurde ca. 1880 erbaut. 1925 kam das Haus an die Landwirtschaftliche Hauptgenossenschaft Berlin. 1936/37 wohnten hier Ella und Fredericke von Maltzan, weshalb das Haus auch „Maltzan- Haus“ genannt wurde.

Friedrich Engels Ring 25

Heute ist es ein gebührenpflichtiger Privatparkplatz. Hier stand früher die Wallhalle, das Gemeindehaus der Neuapostolischen Kirche. Mit dem Ring- Bau wurde das Haus abgerissen und die Kirchgemeinde baute in der Bachstraße 8 neu. Auf der freien Fläche wurde nach dem Mauerfall temporär ein Bankcontainer der Commerzbank errichtet. Die Commerzbank- Filiale wurde am 3.01.1991 eröffnet. Seit 1997 hat die Commerzbank am Friedrich-Engels-Ring 52 ihren Sitz.

 

Friedrich Engels Ring 26

Maurermeister Femer erbaute die Villa ca. 1893. 1900 lebte dort Amtsrichter Hans Müller. Der bischöfliche Stuhl Osnabrück erwarb die Villa und machte es zum Katholischen Pfarramt von Neubrandenburg. Von 1982- 1990 befand sich hier das Stadtarchiv. Seit 30.08.1990 „Boutique am Ring“ Familie Rosin; aktuell Personaltraining Dirk Rosin.

Friedrich Engels Ring 27

Die Villa wurde um 1897 erbaut. Seit ca. 1900 war die  Sargtischlerei Langhans, seit ca. 1927 Polsterei Dwars ansässig.

Friedrich Engels Ring 28

Ursprünglich 1879 einstöckig erbaut, 1933 war Brauereidirektor Walter Ahrend (Brauerei Janssen & Bechly) als Besitzer im Grundbuch eingetragen.

Friedrich Engels Ring 29

Hier stand die „Heinische Villa“ . Der Besitzer Kaufmann Isodor Heine verstarb 1942 an Gehirnschlag, als er von den Nazis seinen Deportationsschein erhielt. Im 1. Weltkrieg verlor sein Sohn bei einem Giftgasangriff das Augenlicht. 1917 gründete deshalb Isodor Heine die Heine-Stiftung für Kriegsblinde und Sehbehinderte. Zwei Stolpersteine erinnern heute an das Schicksal der jüdischen Bürger, die in diesen Villen wohnten. Auf einem Stein steht: „Jenny Hirsch, geb. Heine, JG1891, Deportiert 1942. Auschwitz ermordet“. Nach 1990 wurde hier das Medi- Haus gebaut. Später erwarb der Nordkurier das Haus. Es ist nun Sitz von Geschäftsleitung und Redaktion des Lokalblattes.

Friedrich Engels Ring 34

Seit ca. 1900 im Besitz derer von Oertzen- das Wappen mit zwei geharnischten Armen leuchtet heute wieder in voller Pracht. Von 1972- 1990 war hier das Staatliche Notariat untergebracht. Heute hat Venter- Tours (ein Reiseunternehmen für Südafrika-Reisen) hier seine Geschäftsräume.

Jahn Denkmal

Bildhauer Martin Wolff erschuf 1904 die Büste Friedrich Ludwig Jahns. Im selben Jahr, anlässlich des Geburtstages von Friedrich Ludwig Jahn, wurde die Büste feierlich enthüllt. Jahn, der Begründer der Deutschen Turnbewegung, unterrichtete von 1803-1804 in Neubrandenburg die Kinder des Baron le Fort. Am Ende der heutigen Jahnstraße (damals Kuhdamm) wurde 1815 (Turnvater Jahn war zu dieser Zeit nicht mehr in Neubrandenburg)einer der ältesten Sportplätze Deutschlands errichtet.Spuren dieses Platzes gibt es leider nicht mehr.

Jahnstraße 7

Wenige Meter vom Jahn-Denkmal entfernt, sollten wir uns noch die Villa in der Jahnstraße 7 anschauen. Sie ist eine der schönsten Villen von Neubrandenburg.

Vierrademühle, Jahnstraße 3

1271 wurde die Mühle urkundlich erwähnt. Von 1705 – 1953 müllerten hier die Monckes. Sie besaßen auch die Steinhavelmühle und mussten 1953 vor Repressalien fliehen. Georg Moncke wurde enteignet. Nach der Wende tobte ein langwieriger Rückübertragungsprozess; die Mühle firmierte zur Nordland Mühlenwerke GmbH. Bis 1996 wurde hier Korn gemahlen. Heutiger Besitzer (seit 2001) ist Detlef Schnoor. Er baute die inzwischen stillgelegte Mühle denkmalgerecht in der heutigen Form um.

Rostocker Straße 4

Die Moncke-Villa steht einen Steinwurf vom Friedrich-Engels-Ring entfernt. Sie wurde um das Jahr 1900 von Maurermeister Ringel und der Zimmerei Seegert erbaut. 1936 sanierte Otto Bartning die Villa und baute dabei einen Fahrstuhl für den Speisentransport in die oberen Etagen ein. Nach Enteignung (1953) und Flucht der Müllerfamilie Moncke vor den kommunistischen Repressalien wurde die Villa als Kindergarten genutzt. 2003/2004 wurde die stark verfallene Villa denkmalgerecht rekonstruiert.

Friedrich Engels Ring 35

 

Die Luhmannvilla wurde von 1910-1914 erbaut. Seit 1915 wohnte hier die Familie des Kommerzienrates Louis Luhmann. Sein Sohn, Fritz Luhmann, war Direktor der Hagel-und Feuerversicherung (Hagelkasse). Im 2. Weltkrieg war in diesem Gebäude die Wehrmacht-Kampfkommandantur stationiert. Oberst Fullriede soll mit einem Kübelwagen voller Lebensmittel und Cognac vor den einrückenden Russen rechtzeitig abgefahren sein.

In der DDR, seit den 1960er Jahren, war hier der „Klub der Intelligenz“- von Kulturveranstaltungen über Briefmarkenausstellungen bis hin zu Faschingsfeiern erlebten die Neubrandenburger hier schöne Stunden.

Mit der Wende zog die Gaststätte „Jaqueline“ ein. Nach der Rückübertragung an Fritz Luhmann verkaufte die Familie in den 1990er Jahren die Villa. Bis 2019 war die Luhmannvilla ein unrenoviertes Spekulationsobjekt, das zunehmend dem Verfall Preis gegeben war. Knackpunkt bei allen neuen Projekten waren stets der Denkmalschutz und die Wegerechte am Oberbach. Die Stadt hat unverwirklichte Pläne, vor dem Mühlenwehr eine Dampferanlegestelle zu bauen.

Friedrich Engels Ring 36

Dieses Haus erbaute 1875 der Maschinenbaumeister Karl Wendelburg. Bis heute ist es in Familienbesitz seiner Nachfahren. Wendelburg reparierte damals die schwierigen mechanischen Havarieprobleme in der Vierrademühle und im Schlachthof.

Friedrich Engels Ring 37

Ehemals „An der Linde 7“ war früher ein Gebäudeteil des „Lindesanatoriums“. Gynäkologe & Chirurg Dr. Gottschalk betrieb hier bis 1936 eine Klinik. Er wurde von den Nazis wegen jüdischer Abstammung zwangsenteignet und starb 1954 mittellos in Berlin. Die Klinik wurde weitergeführt, bis Gerd Miosk am 1.1.1947 das „Hotel Miosk“ eröffnete. Die Bar im ehemaligen Operationssaal hatte an jedem Tisch eine Klingel, mit der die Gäste bestellten…. So wurde die Gaststätte im Volksmund auch als „Klingelbar“ bezeichnet. Der Gesamtkomplex bestand aus mehreren Gebäuden, wovon beim Bau des Friedrich-Engels-Ringes nur noch dieses Teilgebäude verschont wurde. Nach dem Abriss betrieb Gerd Miosk übrigens den „Rosengarten“ im Nachtjackenviertel. Heute arbeitet eine Heilpraktikerin im Haus 37

Friedrich Engels Ring 38

Diese Villa wurde ca. 1893 vom Apotheker Schlosser erbaut, war bis 1931 im Besitz von Edmund Lythall. Lythall war Fabrikbesitzer der Lythall-Werke, die später zu Sirokko-Werken und in der Gegenwart zu Webasto firmierten. Auch ganz interessant: Die Linde wurde damals durch die Ringbauarbeiten umverlegt. Ihr natürliches Flußbett verlief vom Windbergsweg bis zur Vierrademühle ungefähr auf der Mittelspur des heutigen Ringes. Daher stammt auch der damalige Straßenname „An der Linde“.

Friedrich Engels Ring 38b

Der Neubau gehört zur Fahrschule Dirk Löwe. Markant ist der Golf 2 Werbeträger, den jeder Neubrandenburger kennt.

Friedrich Engels Ring 38a

Recht unscheinbar; bei meiner Fototour habe ich dieses Gebäude nicht fotografiert und wunderte mich später, dass eine Hausnummer zu wenig auf meinem Zettel stand. Jedenfalls sitzt in diesem Barackenhaus die Caritas mit Familientreff und Erste Hilfe Ausbildung.

Friedrich Engels Ring 37

Gymnasialprofessor Goswin Kurz baute die Villa um 1898. Heute betreibt hier in 3. Generation Zahnarzt Peter Schiffner seine Praxis.

Friedrich Engels Ring 40

Die Villa, ehemals „An der Linde“, wurde laut Bauakte im Jahre 1915 erbaut. 1925 wohnte hier Bankdirektor Hans-Heinz Lamp, später Musiklehrerin Lore Lamp. Ab 1976 wurde das gesamte Gebäude als Musikschule genutzt. Nach der Wiedervereinigung wurde die Villa das Hotel Borchert; ein Anbau(links) vergrößerte das Gebäude. Später wurde das Unternehmen Borchert insolvent und die Villa wurde versteigert. Eine Eigentümergemeinschaft bekam den Zuschlag und renoviert derzeit den historischen Villenteil.

Friedrich Engels Ring 41

Der Direktor des Hansa-Theaters in Lübeck (ehemals Fritz Rittschers Hansa-Theater), Fritz Hemberger, verliebte sich während einer Varieté- Tournee durch Neubrandenburg in die Liebe seines Lebens, kaufte in den 1920ern spontan dieses Haus und verlegte seinen Lebensmittelpunkt nach Neubrandenburg. Getreu seines Geleitwortes: „Die Gunst des Publikums ist der Ansporn meines Schaffens“, waren die im Konzerthaus ( das Haus stand auf der Wallwiese zwischen Stargarder Tor und gedachter Achse Behmenstraße) aufgeführten „Hemberger-Gastspiele“ in den 1920er Jahren äußerst beliebt. Der Vorgarten seiner Villa mit seinen preisgekrönten Rosen erhielt 1927 den ersten Preis des Neubrandenburger Verschönerungsvereins.

Seit 1972 war das Haus Sitz der Schulverwaltung.

Friedrich Engels Ring 42

Die Gründerzeitvilla wurde vermutlich um 1906/7 erbaut. Seit ca. 1974 hatte die LDPD ihr Bezirks-& Kreisbüro (später FDP) und die Redaktion der „Norddeutschen Zeitung“ ihre Büros in der Villa. 1992 kaufte die Volksbank das Haus und baute für ihre vielen Bankkunden eine ringseitige Treppe. Diese Treppe wurde 2x von Auto-Rasern demoliert, die es aus der Kurve trug….

Nach dem 2. Treppen Totalschaden wurden riesige Granitklötze vor der Treppe in den Boden eingelassen. Nun blieb die Treppe endlich heil, aber nach der Fusion von Volksbank und Neubrandenburger Bank wurde die Filiale
aufgegeben…. und die Treppe wurde somit nicht mehr wirklich benötigt.

Lessingstraße 1

Das ehemalige Lyzeum ist ein Symbol Neubrandenburger Bildungstradition und definitiv das schönste Schulgebäude der Stadt. Für den Bau der höheren Mädchenschule wurden damals 228.000 Mark Baukosten veranschlagt. Die tatsächlichen Baukosten betrugen dann 246.500 Mark. Baubeginn war im September 1913. Man baute sehr zügig: Richtfest war schon am 10.1.1914. Während des 1.Weltkrieges ruhte oftmals das Baugeschehen. So begann der erste Unterricht im Mai 1916 mit fast 300 Schülerinnen. Im 2.Weltkrieg wurde das Lyzeum zum Reserve-Lazarett II umgenutzt, später als Lazarett durch die Roten Armee (bis Dezember 1946).

Von 1947-1973 war das Haus die EOS „Friedrich Engels“. Nachdem die EOS „Friedrich Engels“ aus Platzmangel in ein neues Schulgebäude in die Oststadt umgezogen war, wurde das Lyzeum zum „Haus der Jugend und der Jungen Pioniere“ umgenutzt. Von 1989 bis 1991 war das Lyzeum ein Schülerfreizeitzentrum. 1991 wollte die Stadt Neubrandenburg das stark sanierungsbedürftige Schulgebäude verkaufen, doch glücklicherweise wurde die Schultradition an diesem historischen Standort fortgeführt: Das Musische Gymnasium entstand. Im Jahre 2000 bekam das Lyzeum den Namen „Gotthold-Ephraim-Lessing-Gymnasium“.

 

 

Friedrich Engels Ring 43

Um 1908 erbaut. Hier wohnte Chemiker Runge, der die Villa an Familie Riehn verkaufte. Rechtsanwalt und Notar Riehn betrieb hier bis 1986(?) eine Kanzelei.

Friedrich Engels Ring 44

Die Villa wurde 1916 von Malermeister Tietböhl erbaut. Nach vielen Besitzerwechseln kaufte Gärtner Schröder aus Burg Stargard 1968 das Haus. Heute nehmen beim ansässigen Duden-Institut Schüler Nachhilfeunterricht.

Friedrich Engels Ring 45

Früher „An der Linde 20“ war eine Schankwirtschaft. 1925 gehörte das Haus Gymnasiallehrer Prof. Dr. Leberecht Kootz. Volkssolidarität, Nationale Front und Wohnungswirtschaft des Rates der Stadt Neubrandenburg hatten hier ab den 1970ern ihren Sitz. Ab 1990 war es das „Haus der Begegnungen“, in dem Suchtkranke in Selbsthilfegruppen therapierten.

Friedrich Engels Ring 46

Diese Villa wurde um 1900 erbaut. Wie so viele der Ring- Villen Besitzer musste auch Familie Potratz ihr Haus verkaufen. Grund war der durch billige Mieten verursachte Instandsetzungsstau und ein Zwangskredit, den viele Eigentümer zahlen sollten: Stadtarchitektin Iris Grund erzwang für ein schöneres Stadtbild eine teure Fassadensanierung. 1974 zog dann die NVA- Standortkommandatur ein.Im Keller waren Arrestzellen für Soldaten, die beim unerlaubten Ausgang erwischt wurden.

Friedrich Engels Ring 47

Die Villa gehörte Familie Behrens, welche bis 1936 die Bahnhofsgaststätte führte. Anfang der 1950er Jahre wurde der damalige Besitzer, Hotelier Müller, enteignet. Danach diente die Villa als Schüler- Internat und seit Ende der 1960er Jahre als Wehrkreiskommando. Manchmal marschierten eingezogene Rekruten in Zivilkleidung und Begleitung von einer Blaskapelle zum Bahnhof, um von dort mit dem Zug in die jeweiligen Kasernen transportiert zu werden.

Friedrich Engels Ring 48

Bauherr dieses großen Hauses war der Frauenarzt Kirchhoff. Die Russen sollen 1945 nach dem Einzug in die Stadt aus den Möbeln Brennholz gemacht haben. Sie fanden vermutlich auch das eingemauerte Familien-Tafelsilber.

 

Otto Vitense Weg 12

Die imposante Villa wurde von 1913 bis 1915 von Maurermeister Greul erbaut. Die damaligen Baukosten sollen 40.000 Mark betragen haben. In den zurückliegenden 100 Jahren hatte das Haus verschiedene Eigentümer und Mieter. Von 1974- 1990 war die Villa mit ihrem Karelien-Kabinett das „Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“.

 

Am Stargarder Tor

An diesem Ort gab es schon sehr, sehr lange eine Mühle- schon 1354 wurde nachweislich Korn gemahlen. Ungeklärt ist jedoch, ob im Laufe der Jahrhunderte hier mehrere Mühlen nebeneinander existierten, oder ob die jeweils neue Mühle nach den historischen Katastrophen ( 30ig-jähriger Krieg, Brände usw.) auf den Fundamenten der alten Mühle entstand. Anno 1707 wurde hier Eichenrinde gemahlen. Das Produkt, rotes Pulver (Lohe), nutzte die Schuhmacher-Zunft zum gerben von Leder. Insofern ist der Ursprung des heutigen Namens „Zur Lohmühle“ logisch erklärbar. Die Lohmühle in ihrer jetzigen Form wurde 1778 erbaut. Am 01.04.1909 wurde in der Ihlenfelder Straße ein neues E-Werk in Betrieb genommen- ungefähr 1910/1920? stellte man den Wasserantrieb der Lohmühle zusätzlich auf modernen Elektro-Antrieb um. So war die Mühle unabhängig von der Wasserkraft der Linde. 1962 wurde durch Ring- Bauarbeiten der Verlauf der Linde verlegt- seit dem steht das historische Mühlenrad trocken. Altvordere Müller meinen: „Eine Mühle verfällt nicht, weil am Gebäude nichts gemacht wird, sondern sie verfällt, weil sie nicht mehr arbeitet“. Dieses Schicksal blieb der Lohmühle erspart. 1974- 1975 wird die Lohmühle von der Forstwirtschaft zum Gasthaus umgebaut. Im „Forsthaus“ gab es gut bürgerliche Küche und erlesene Wildspeisen. Seit 1992 wird die Tradition des urigen Gasthauses im historischen Ambiente als Gasthaus „Zur Lohmühle“ fortgesetzt. In der Lohmühle tagt regelmäßig der Rotary Club Neubrandenburg.

 

Filmpalast

Der Filmpalast wurde am 19.10.1928 eröffnet. Nach 73 Jahren Lichtspielzeit wurde das traditionsreiche Gebäude im Oktober 2001 geschlossen. Am 8.12.2002 brannte der Filmpalast, vermutlich wegen Brandstiftung ( eine Seitentür war aufgebrochen), bis auf die Grundmauern nieder und wurde schließlich 2007 vollständig abgerissen. Der Filmpalast verfügte über 280 Plätze. Heute erinnert nur noch eine Treppe, über die man nach der Vorstellung aus dem Seitenflügel ins Freie gelangte, an das kultige Kino.

 

Gartenstraße 2a

Dieses Geschäftshaus wurde im Jahre 1994 von Dieter Hacker neu gebaut.

Gartenstraße 1

In der früheren Blücherstraße 1 stand eine Fachwerkvilla. Zu DDR-Zeiten war hier von 1952-1992 die Kinderkrippe „Jenny Marx“. 1993 wurde das alte Fachwerkhaus abgerissen und die neue Villa Horwarth gebaut. Das Haus beherbergt unterschiedliche Firmen. Hier befindet sich auch das Notariat von Marcel Lehmann (Nachfolger vom Notariat Horwarth).

Friedrich Engels Ring 48a

Diese moderne Doppel- Villa wurde von 1994-95 wurde durch die Mecklenburgische Versicherung auf ehemaligen Gartengrundstücken errichtet.

Friedrich Engels Ring 49 (ehemals Moltke Str.7/ Berliner Str.7)

Die Villa wurde um 1900 erbaut. Hier eröffnete  Chirurg Dr. Krause 1935 eine Privatklinik. Der Klinikbetrieb mit Operationssaal und 30 Betten wurde bis 1945 aufrecht erhalten.1959 verkaufte Familie Krause das Haus. Bis 1964 gab es hier eine Entbindungsstation und das Mütterheim „Hilde Coppi“. In den Jahren danach befand sich hier eine orthopädische Werkstatt. In der Gegenwart ist die Villa Sitz einer Steuerberatungsgesellschaft.

Friedrich Engels Ring 50

In die Villa „Hab mich lieb“ zog am 5.1.1953 die Bezirksdirektion für Post und Fernmeldewesen ein. Danach war die Villa über viele Jahre ein Wohnhaus. Seit den 1990er Jahren war hier der Sitz der Landesversicherungsanstalt.

 

Friedrich Engels Ring 51

Die Villa „Luise“ beherbergt das NDR-Studio Neubrandenburg. Am 5.10.1952 sendete das Rundfunkstudio Neubrandenburg erstmals in den Äther. Vom Balkon der Villa wurde bis 1989 die jährliche 1. Mai-Demonstration „moderiert“.

Friedrich Engels Ring 52 A / 52 B
Das Geschäftsgebäude wurde nach der Wende als letztes im sogenannten Bankenviertel neu erbaut. Damals wurde sogar eine Brasserie eröffnet- die Geschäftsidee, dass die zahlreichen Banker hier zum Mittag essen kommen,  ging jedoch nicht auf. Heutige Mieter sind Commerzbank, Personaldienstleister und eine Apotheke.
 
 

Friedrich Engels Ring 52

(ehemals Harryplatz)

Das Gebäude der Deutschen Bank gehörte zur ehemaligen SED-Bezirksarteischule „Kurt Bürger“ und war ein großer Plenarsaal. Im Volksmund nannte man das damals mit Kupfer verkleidete Gebäude „Kupferkessel“.

Große Krauthöfer Straße 3

Das erste Parkhaus Neubrandenburgs wurde am 15.2.1996 durch den damaligen Bundesbauminister Klaus Töpfer ( vielen ist er auch durch die Einführung des Gelben Sackes noch heute ein Begriff ) eröffnet. Das Parkhaus „Rathauspassage“ wurde über die ehemalige FDJ- Bezirksleitung dürbergestülpt. Wer sich das weiße Parkhaus genau anschaut, erkennt das darunter stehende Gebäude. Kurios: Während der PKW-Fahrer  in die Krauthöfer Straße 3 einfährt, hat das vom Parkhaus überbaute Gebäude an den vier Seiten verschiedene Adressen: Friedrich-Engels-Ring 52e, 52c, 52f und Ziegelbergstraße 1a.

 

Friedrich Engels Ring 53

Im Jahre 1952 wurde Neubrandenburg im Zuge einer DDR-Verwaltungsreform zur Bezirkshauptstadt. Seit 1956 liefen unverwirklichte Planungen für einen neuen Verwaltungsbau. 1967 wurden für das knapp 120 Meter lange Verwaltungsgebäude des Rat des Bezirkes Neubrandenburg alle ehemaligen Häuser und Villen , damals hieß die Straße Schützenwall, platt gemacht. Unter anderem wurde das Haus der Freimaurerloge und die Villa des Getreidehändlers Tiedt abgerissen. Nur die Löwenvilla, heute Sparkasse blieb stehen. Das Wohnungsbaukombinat Neubrandenburg errichtete den riesigen Verwaltungsbau mit seinen über 400 Räumen innerhalb einer Rekordzeit von 2 Jahren. Am für die SED symbolträchtigen Internationalen Kampftag der Arbeiterklasse (1.5.1969) zogen der Rat des Bezirkes und SED-Bezirksleitung in das Haus. 3 Fahrstühle, Plenarsal, Kantine, Friseur und Betriebsarzt- alles war in diesem Haus auf dem modernsten Stand. Mit der Wiedervereinigung verloren SED-Bezirksleitung und Rat des Bezirkes ihre Existenzberechtigung. Das Gebäude wurde im Jahre 1990 zum Sitz der Stadtverwaltung Neubrandenburg (Rathaus) umgenutzt. Von den Neubrandenburgern wurde der sozialistische Gebäudekörper noch nie geliebt.

Sanierung, Abriss oder Neubau standen immer zum Disput. 2012 entschieden sich die Neubrandenburger Ratsherren für die Sanierung des Rathauses.

2013 wollte der damalige OB Paul Krüger das Rathaus für 8 Millionen Euro energetisch sanieren, zumal für einen Rathausneubau damals 16 Millionen Euro veranschlagt wurden. Wie bei allen Baumaßnahmen rannten auch beim Rathaus die Kalkulationen erheblich aus dem Ruder. So sprach der OB Silvio Witt 2016 schon von 13 Millionen Euro.

Im März 2019 wurde das Rathaus von den letzten Büroeinrichtungen, Aktenordnern und Archiven frei geräumt- die Sanierung begann. 2022/23 soll das Rathaus mit neuer Fassade und neuen Fenstern energetisch saniert sein.

 

Friedrich Engels Ring 54

(ehemals  Schützenwall 6)

Die ehemalige Löwenvilla wurde vermutlich von 1912-1916 erbaut. Die Terasse wurde von zwei steinernen Löwen bewacht. 1951 erwarb die Sparkasse das Haus. Die Erweiterung mit einer gläsernen Empfangshalle und einem turmartigen, 4-stöckigem Gebäude, erfolgte in den Jahren 1996-1997. Neben dem Gebäudekomplex steht  ein imposanter Bronzelöwe. Immer wieder wurde sein Schwanz beschädigt oder sogar gestohlen. So wurde damals von der Sparkasse über 1000 € Finderlohn ausgeschrieben. Der Schwanz wurde bis heute nicht gefunden. Damals bekam der Löwe einen neuen Schwanz, der zugleich diebstahlsicher im Fundament verankert wurde.

Woldegker Straße 2

Erstmieter des Geschäftshauses war die Dresdener Bank. Im Volksmund wird das Haus wegen seiner Form „Zigarre“ genannt.

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Rudy

    Du solltest dein Hobby zum 2. Beruf machen. Ich danke dir für deine informativen Berichte. Klasse! Muss wieder einmal nach NB kommen. Schönes Pfingstfest. Bleibt gesund und viele Grüße Rudy

    1. Rudi

      Danke für die Blumen. Neubrandenburg freut sich über jeden Gast.
      Viele Grüße
      Rüdiger

  2. Mirco

    vielen Dank für die Bilder !
    zum Friedrich Engels Ring 49 ,
    ich bin 1966 im Mütterheim Hilde Coppi geboren worden ,
    da muss es wohl dort noch existiert haben mit der Adresse Berliner Straße 7

    Gruss Mirco

    1. Rudi

      Hallo Mirco,
      schön, dass Du auf meiner Homepage gelandet bist…. ich werde erst mal mit Deinen Infos meinen Bericht erweitern (Berliner Str.7) und meinen Rechtschreibfehler von Coppie auf Coppi ändern!
      Viele Grüße aus Neubrandenburg!
      Rüdiger Dec

Schreibe einen Kommentar