Vom Moment an, als das Losglück Hansa Rostock beschied, fieberte man am Tollensesee dem Pokal- Viertelfinale heiß entgegen. Die Eintrittskarten waren binnen weniger Stunden ausverkauft: Gut 3500 Zuschauer wollten dabei sein. Während die Ticketpreise moderat waren ( Stehplatz für 15 €), sah das am Spieltag bei den Parkgebühren wesentlich dekadenter aus: Hier wurden satte 5 € aufgerufen. Während der Einlass in den Gästeblock ohne große Wartezeiten erfolgte, mussten sich Neubrandenburger Fans wirklich gedulden. Die Warteschlange reichte von der Karten- Litfass-Säule Richtung Badeweg bis ans Ende des Jahnsportforums. Hatten die Fans diese Hürde endlich gemeistert, mussten sie sich erneut anstellen. Dieses mal an der Bier oder Bratwurstschlange. Die Bierpreise waren inflationär: Für 0,3 Liter Lübzer mussten durstige Fans 4 € berappen. Der Preis für eine AWO- Bratwurst (3,50 € ) war dagegen lobenswert! Kurz um, nach gut 30-40 Minuten gelangten die Fußballfans dann endlich auf die Tribüne.
Der 1. FC Neubrandenburg 04 spielte heute ( bis auf Fischer /Hüftprobleme) mit voller Kapelle. Zum Anpfiff setzte leichter Nieselregen ein. Hansa hatte Anstoß. Neubrandenburg konterte nach gut 2 Minuten in die erste Großchance. 2 Tollensestädter tauchten in der Hansa-Box auf, doch die Pille wurde unglücklich vertingelt. Die mögliche Führung hob die Stimmung im Block C. Der FCN- Fanblock begleitete jede gute Aktion mit stimmgewaltigen Begeisterungs-Hymnen. Ansonsten verlagerte die Kogge das reguläre Spielgeschehen mehr oder weniger konstant auf die Spielfeldhälfte der Neubrandenburger. Hansa wurde seiner Favoritenrolle mehr als gerecht, hatte gewaltige Schnelligkeitsvorteile und gewann locker 70 Prozent der Kopfballduelle. Nur das Tor schien wie vernagelt, denn Neubrandenburg verteidigte jeden verlorenen Grashalm mit Herz und Elan. In der 8.Spielminute erzielte Voglsammer (9) die 0:1 Führung für Hansa mit dem Kopf. Besonders bei Standards wurde es brandgefährlich, doch FCN- Keeper Haack parierte auch schwierige Bälle. Lisch (13) ackerte und rackerte, doch gegen den souveränen Ruschke (29) konnte er heute keine Akzente setzen. Eventuell wäre ein Wechsel von Lisch auf die linke Angriffsposition eine Möglichkeit, den gordischen Knoten zu zerschlagen? An dieser Stelle offenbarte sich ein Nachteil des Spielertrainers, taktische Umstellungen zwischen Zweikämpfen und kräftezehrenden Laufduellen umzusetzen. Nach einem Freistoß von rechts (Foul an Kinsombi und Gelb für Wout Abrahams) kann Haack gerade noch die Pille abklatschen, doch Wallner (16) steigt am höchsten und nickt das Leder mit dem Kopf zum 0:2 über die Linie. Bis zur Halbzeit erarbeitet sich Hansa nun im 3- Minuten-Takt sehr viele 100 prozentige Tormöglichkeiten, doch die Chanchenverwertung war gelinde gesagt grottig. Anders formuliert könnte man auch sagen die Neubrandenburger hatten Glück und Schwein zugleich gehabt. Der rechte Hansa-Flügel mit dem schnellen Kinsombi (27) sorgte ständig für Alarm. Dann war Halbzeit. Der 1.FCN 04 hatte in der 1. Halbzeit keine klare Torchance und leckte seine Wunden.
Die 2. Halbzeit begann mit einem Paukenschlag: Nach einem Rückpass von Harenbrock auf Keeper Hagemoser läuft Nawotke an und bedrängt so geschickt, dass der Hansa-Torwart doch tatsächlich die Pille verliert! Vom rechten Strafraumwinkel vollstreckt der FCN- Spielerkapitän gekonnt mit breiter Brust(49.Spielminute). Der Torschuss war gar nicht so einfach- gut gemacht! Nawotke ist es auch, der in der 53. Minute den ersten FCN-Eckball erzwingt. Nun beginnt seitens des 1. FCN die beste Spielphase, die gut 12-13 Minuten anhält und Hansa unter Druck setzt.
In der 66.Spielminute verliert Lisch an der eigenen Eckfahne unnötig den Ball. Seine ständigen Duelle auf Augenhöhe gegen Ruschke hatten ihm die Körner ausgesaugt. Die anschließende Flanke verwertet Voglsammer(9) erneut mit dem Kopf. FCN 1 Tor, Hansa 3 Tore. Nach Dribbel und Laufvorarbeit durch Kinsombi schiebt der kürzlich eingewechselte Maximilian Krauss(35) am langen Pfosten zum 1:4 ein (72. Spielminute). Nach Krauss-Flanke erzielt Emil Holten (11) in der 89. Minute mit der Brust den 1:5 Endstand. Hansa ist verdient und souverän im Pokalhalbfinale. Der 1. FC Neubrandenburg hat ansehnlich mitgespielt, hat jedoch bis auf eine Ecke und das Nawotke- Tor nie einen Schuss auf die Kogge abfeuern können.
Beste FCN-Spieler waren heute Abrahams, Nawotke und Langer. Auf der Kogge waren Voglsammer und Kinsombi die besten Fußballer. Bis auf den kalten Regen war das für jeden der 3500 Zuschauer ein unterhaltsamer und sehenswerter Fußballnachmittag.