Neubrandenburg ehrt seine Weltmeister würdevoll
Neubrandenburg, 12.09.2026/10:00 Uhr: Heute wurden erneut erfolgreiche Sportler und Sportlerinnen mit einer Plakette auf dem Neubrandenburger Walk of Sport geehrt. Der Kanute Gerhard Rummel, die Triathletin Ines Estedt und die Diskuswerferin Franka Dietzsch enthüllten vor mehr als 130 Neubrandenburger Fans, Trainern, Wegbegleitern und Familienangehörigen ihre Ruhmesplaketten. Was den heutigen Tag so besonders machte, das waren die berührenden Ansprachen und Reden der Laudatoren, die Reden der geehrten Athleten, aber auch die kurzen Ansprachen des Oberbürgermeisters Nico Klose und das Statement von Philipp Amthor (Leistung ist die Grundlage von Erfolg).
Die Laudatio für Gerhard Rummel (1975 Weltmeister im Kajak-Zweier in Belgrad) hielt der Vereinsvorsitzende des SV Motor Süd, Henry Slomma: „Weltmeister und Vizeweltmeister, später war Herr Rummel unser Trainer bei Motor Süd. Gerhard Rummel meinte oft, es lohnt sich auch im Winter, wenn der schöne Oberbach einfach nicht zufrieren will. Angst vom Trainer ? Nie! Brüllend am Oberbach oder im Kraftraum? Nie! Es ist ihnen zu verdanken, dass wir bis heute aktiv blieben! Wir sagen ihnen vielen Dank im Namen der Stadt Neubrandenburg und im Namen von Motor Süd. Es ist uns eine Ehre! “
Der Laudator für Ines Estedt (Langstrecken-Triathlon-Weltmeisterin 1997 und 2002 in Nizza) war Björn Bromberger. Ines Estedt war seine Trainerin im Sportgymnasium und beim SC Neubrandenburg. Herr Bromberger berichtete in seiner Rede aus dem inneren des Nähkästchens, von der Sportlerseele Estedt, vom Training, vom Wettkampf, von Enttäuschungen und den großen Erfolgen: „Für die Olympischen Spiele in Sydney hat Ines die Leistung erbracht, der Platz war frei, aber sie durfte nicht. Nach ihrem 2002er Weltmeistertitel in Nizza brauchte Ines erst einmal ein alkoholfreies Bier. Bis heute ist sie die einzige deutsche Weltmeisterin im Triathlon. Bodo Seidel und Jens Walter- ein Stück dieser Bronzeplatte gehört auch Euch!“
Björn Bromberger lüftete das Geheimnis mit seinen vertauschten Radschuhen und die Leidenschaft von Ines für Kuchen: „ Wir haben auf unseren Trainingsrunden immer Rast beim Bäcker in Teschendorf gemacht. Kuchen ist auch heute eine große Leidenschaft von Ines, wie damals das Triathlon. Heute ist sie Lehrerin in Boizenburg (Elbe) und bringt den kleinen das Schwimmen bei. Herzlichen Glückwunsch- Du bist über viele Wege in dieser Stadt gefahren und gelaufen, heute kannst Du über Dich hinweg gehen.“
Ines Estedt sagt Danke, und beschrieb ihre Zweifel, zwar oft Danke gesagt zu haben, jedoch nie intensiv genug. Deshalb dankte Ines Estedt heute besonders ihren Eltern: „Schon mit 8 Jahren sagte ich zu ihnen: Ich will Weltmeisterin und Lehrerin werden. 25 Jahre habe ich in Neubrandenburg verbracht und mich sauwohl gefühlt. Ganz wichtig für mich waren Doc Seidel und Physio Walter. Mein Zuhause ist Magdeburg, meine Heimatstadt ist Neubrandenburg, ich lebe in Hamburg (Bergedorf) und in Boizenburg(Elbe) arbeite ich als Lehrerin.“
Die Würdigung für Franka Dietzsch (Diskus- Weltmeisterin 1999 Sevilla, 2005 Helsinki, 2007 Osaka) sprach ihre Freundin und Trainingspartnerin Astrid Kumbernuss :
„Es gibt Athleten, die gewinnen Medaillen und Athleten, die prägen eine Ära.
Wir ehren heute die Grand Dame des Diskuswurfs Franka Dietzsch. Wir waren Trainingspartner und Konkurrenten unter Dieter Kollark. Wir kennen den Schweiß in der Halle und die Schwielen an unseren Händen. Der Weg nach oben war kein Selbstläufer. Ein Triumph des puren Willens, liebe Franka, das war kein Sieg der Technik, es war ein Sieg des puren Willens, Dein 2.WM Titel im Regen von Helsinki. Wir stehen hier, wegen des Menschen Franka Dietzsch, einem Menschen mit einem großen Herzen. Franka hat der Deutschen Leichtathletik ein Gesicht gegeben. Man muss den Diskus lieben, um ihn weit zu werfen!“ Anschließend erinnerte Astrid Kumbernuss mit Zitaten anderer Sportfreunde an die sportliche Leistung, die Stehauf-Menthalität, den Werdegang und die große Aura, welche Franka Dietzsch umgibt. Dazu gehöre auch ihre nachhaltige Trainertätigkeit beim SC Neubrandenburg. Bei der Plakettenenthüllung waren ihre Trainings-Talente John-Christian Schochardt, Anton Mündecke und Arvid Ziemann vor Ort. Sie alle setzten sportliche Ausrufezeichen und geben Hoffnung, dass der SC Neubrandenburg auch in Zukunft eine international hoch geachtete Leichtathletik- Kaderschmiede bleibt.
Franka Dietzsch trat, von Tränen gerührt, ans Mikrofon: „6 Jahre habe ich jetzt gewartet- vielen, vielen Dank an Frank Benischke (Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft), vielen Dank der Stadt Neubrandenburg für die guten und immer verfügbaren Trainingsstätten. Bille, meine beste Freundin ist immer da- Danke! Meine Familie ist da- alle sind da, alle sind gekommen. Dank an meinen Trainer! Wenn ich sauer war, dann sagte ich Dieter, ansonsten sagte ich Herr Kollark. Vielen Dank, dass sie immer an mich geglaubt haben, auch in der Zeit von 1999- 2005. Ich habe es leider nicht geschafft, Olympiasiegerin zu werden.“
Dann wurden die Plaketten von Weltmeister Rummel und den Weltmeisterinnen Estedt und Dietzsch im Beisein von Wegbegleitern und Sponsoren enthüllt. Es folgten Erinnerungsfotos mit vielen Gratulanten. Wer genau beobachtete sah in der Menge viele Leichtathletik- Größen vergangener Tage. Viertorestadt.de war bei etlichen Momenten des Walk of Sport dabei. Der heutige Tag war ein Moment der Emotionen, ein Rückblick auf sportliche Niederlagen und auf große Siege. Die Sportler berichteten auch zwischen den Zeilen, was Neubrandenburg als Sportstadt ausmacht.
Ohne die Unterstützung durch die Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft, die Neubrandenburger Sparkasse und hier ungenannte Unternehmen wäre Leistungssport in Neubrandenburg nicht möglich. Oft standen die Athleten und ihre Trainer mit der hart erkämpften Meisterschafts- Medaille vor einer ungewissen Zukunft, zu oft wurden Bundesstützpunkte aus Neubrandenburg verlagert.