Mit dem Fahrstuhl fährt die Angst

Der neue Fahrstuhl im Neubrandenburger Badeweg 3 ist unzuverlässig und bleibt ständig stecken

Der Neubrandenburger Badeweg 3 ist ein besonderes Haus, denn es ist speziell für behinderte Mieter und deren Anforderungen gebaut worden. Große Parkplätze, barrierefreier Hauszugang über 2 Eingänge, Türöffnungsanlagen mit behindertengerechten Öffnungs-Tasten und Schlüsselsystemen, Fahrstuhl, Rollstuhl- Ladesteckdosen vor der Wohnungseingangstür incl. Stellplatz, rollstuhlgerechten Türbreiten in den Wohnungen und barrierefreien Zugängen zum großen Balkon. Hinzu kommt die Lage am Kulturparkeingang, Innenstadtnähe und recht dicht gelegene Bushaltestellen.

Die Neuwoges zeigt mit dieser Immobilie ein sehr großes Herz für Menschen mit Handicap, denn der Bau und Betrieb dieser Liegenschaft erfordert im Vergleich zu „normalen“ Mietwohnungen vermutlich einen sehr hohen Kostenaufwand.

Seit dem Bau sind nun schon 32 Jahre vergangen und die Instandsetzung bzw. Modernisierung des Fahrstuhls wurde unumgänglich. Ursprünglich war durch die NEUWOGES geplant, dass während der Fahrstuhl- Modernisierungsarbeiten die behinderten Mieter in Hotels und Ersatzwohnungen umquartiert werden sollten. Doch weder waren genügend Ersatzwohnungen, noch behindertengerechte Hotelzimmer für die 19 Mieter vorhanden. Daneben standen auch ungeklärte Kostenfragen für die nötige Umorganisationen der Mieter (z.B. Umzugskosten, Pflegedienste, Fahrdienste, fehlende Einkaufsmöglichkeiten usw.). Nach einigem Hin und Her stellten alle Parteien fest, dass nach anderen Möglichkeiten gesucht werden müsse. Ein Kompromiss wurde schnell gefunden: Für die Zeit der Bauarbeiten wurde außerhalb des Hauses ein spezieller Lastenfahrstuhl installiert, mit denen die Rollstuhlfahrer auf die jeweiligen Wohnetagen transportiert wurden. Die ganze Sache war jedoch nicht so einfach: Für den Zugang vom Baufahrstuhl ins Haus musste die gesamte Fensterfront im Treppenhausbereich demontiert werden. Zusätzlich stand in der Zeit von 06:00 Uhr bis 22:30 Uhr ein „Fahrstuhlpage“ stand by, der den ganzen Tag für einen reibungslosen Fahrbetrieb sorgte. Selbst wenn eine Mieterin oder Mieter spät in der Nacht kam, funktionierte dieser Service mit entsprechender Voranmeldung und Notrufnummer recht gut (für die Nacht gab es einen Bereitschaftsdienst von 22:00 Uhr- 06:00 Uhr). Gut, nicht immer klappte alles 100 %ig (z.B. Rollstuhltänzerin wurde nachts nicht transportiert, in einem anderen Fall konnte der herbei gerufene Notdienst den Baufahrstuhl nicht bedienen), doch nach Auswertung der unangenehmen Dinge klappte der Fahrstuhlservice immer besser und dann tadellos.

Es kam der Tag, an dem der alte Fahrstuhl außer Betrieb genommen wurde, der Fahrstuhl-Schacht wurde völlig entkernt und Monteure und Mieter erwarteten in heller Vorfreude die Bauteile des neuen Fahrstuhles. Wie immer und überall kamen natürlich spezielle Bauteile aus China. Würde alles pünktlich geliefert werden, würde alles termingerecht montiert sein? Skeptiker und Nörgler fanden aber keinerlei Angriffspunkte: Vom 11.06.2026 bis 26.06.2026 wurde der alte Fahrstuhl ausgebaut und der neue Fahrstuhl fristgerecht montiert, der TÜV kam und setzte den amtlichen Kuckuck drauf. Der neue Fahrstuhl konnte seinen Betrieb aufnehmen. Alles kam so, wie es geplant wurde. An dieser Stelle muss man ein großes Lob und viel Anerkennung an die NEUWOGES, an alle involvierten Firmen, Arbeiter und Planer aussprechen. Das gesamte Projekt ist schließlich keins von der Stange gewesen. Chapeau! Im NEUEINS- Fernsehen und auf der Neuwoges- Homepage wurde über die Fahrstuhlarbeiten berichtet (Bericht 07/2026, Minute 1:33 bis 5:01 ).

Doch wo Licht ist, da ist auch dunkler Schatten. Der neue Fahrstuhl muckt, zickt und verweigert ständig seinen Betrieb. Die Firma OTIS rückt zwar aus, kann den Fehler jedoch nicht finden und abstellen. Rollstuhlfahrer und gehbehinderte Mieter benutzen den Fahrstuhl nur noch mit großer Angst. Sie sind völlig hilflos, wenn sie nicht mehr aus oder ins Haus kommen können, schlimmer noch: Sie haben große Angst, im Fahrstuhl stecken zu bleiben. Beim letzten Mal hat es laut Aussage einer Mieterin ganze 6 Stunden gedauert, bis der Fahrstuhl wieder fuhr. Die Mieter gründeten in Ihrer Not eine Whats-App- Fahrstuhlgruppe mit dem Namen „Aufzug Desaster“ und verfassten Schreiben an viele verantwortlichen Stellen. Obwohl die Fima OTIS alle Register zieht, kriegen die Techniker das Fahrstuhlproblem einfach nicht in den Griff. Hinzu kommt das Problem des Meldeweges, wenn der Fahrstuhl wieder einmal fest steckt. Wer bezahlt die entstehenden Kosten, wer hilft weiter, wer kann überhaupt helfen, wie können gehbehinderte Personen mit einem schweren Elektro- Rollstuhl in ihre Wohnungen gelangen, wenn der Fahrstuhl wieder einmal nicht funktioniert ?

Die Häufigkeit der Ausfälle ist erschreckend, denn selbst am Tag der Abnahme durch den TÜV kam es zu einem Ausfall. Der Fahrstuhl funktionierte an folgenden Tagen nicht: 26.06.2026, 27.06.2026/ 28.06.2026/ 29.06.2026/ 30.06.2026( angekündigter Service durch OTIS)/ 05.07.2026/ 08.07.2026/ 10.07.2026/ 13.07.2026/ 17.07.2026/ 18.07.2026/ 21.07.2026 (angekündigter Service durch OTIS)/ 24.07.2026/ 26.07.2026/28.07.2026/ 30.07.2026/ 01.08.2026 und am 02.08.2026.

Die Quintessenz dieser Ausfallserie war ein Zettel am Fahrstuhl im Erdgeschoss, auf dem geschrieben stand, man solle die 112 anrufen, wenn der Fahrstuhl erneut seinen Dienst versage.

Körperbehinderte Menschen haben es im Leben schon schwer genug. Gerade darum kann es bei einem nicht funktionierenden Fahrstuhl überhaupt keine Kompromisse geben! Die Menschen im Badeweg 3 brauchen eine verlässliche Lösung, einen äußerst zuverlässigen Fahrstuhl. Kaum auszudenken, wenn z.B. der Pflegedienst oder gar der Rettungsdienst im Fahrstuhl tatsächlich einmal stecken bleiben würde. 

Hersteller OTIS und der TÜV sind am Zuge, die Mängel sofort abzustellen. Die Mieter im Badeweg 3 benötigen bis dahin eine verlässliche Transportlösung, denn im Angesicht der großen Ausfallrate fährt verständlicherweise ständig ein mulmiges Gefühl und bei vielen Mietern große Angst im Fahrstuhl mit. 

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