Ein besonders cooles Smoke on the Water 2026- stürmisch, kalt und nass

Eine Dampferfahrt zwischen Rauchgenuss, Passage in die Lieps, Seeadler und Kormoranen

04.07.2026/18:10 Uhr: Nicht ganz pünktlich legte das Fahrgastschiff „Mudder Schulten“ ab, denn ein ortsunkundiger Gast verspätete sich heftig. Erst wusste er nicht, wie man zum Badehaus gelangt, dann strandete er völlig falsch auf der Bootsinsel. Doch es breitete sich keinerlei Panik auf der rauchenden Titanic, ähh „Mudder Schulten“ aus, denn die Cigarrenliebhaber studierten die Weinkarte und überbrückten derweil genüsslich mit einer  Montego Y Oia die sich hinziehende „Einschiffungs- Prozedur“.

Nur der erfahrene Kapitän Edgar Lüdemann schaute unruhig auf seine Uhr- die Zeit drückte, denn Kanalfahrten in die Lieps sind aus Naturschutzgründen in den späten Abendstunden untersagt. 

Endlich aber hieß es: Leinen los und volle Kraft voraus! Der frisch angeheuerte Bootsjunge löste noch etwas ungeschickt die Tampen. Während das Schiff am Anleger in den Wellen hin und her schaukelte, durchschnitt nun der Schiffsbug den tosenden Tollensesee und lag dabei wie ein Brett in der stürmischen See. Bei 19 Grad und böigem Wind hatten sich viele Stammgäste wetterfest gekleidet, während sich andere verkalkulierten und in kurzen Hosen und dünnem T-Shirt auf dem Sonnendeck bibberten. Genau so unterschiedlich wie die Kleider- vom Maßanzug bis zur Engelbert Strauss Jacke- waren auch die Menschen an Bord gestrickt. Erfolgreiche Unternehmer, Motorradfahrer, Pensionäre, Arbeiter, gebildete Frauen, einfache Rentner und Studenten formten sich ohne Standesdünkel zu einer illustren Gemeinschaft im Genussbild einer außergewöhnlichen Cigarrenwelt.

Die Gastgeberin, Grand Dame Britta Wutschke, sorgte mit einer stimmigen Auswahl an Weinen, Spirituosen und Cigarren für eine perfekte Dreifaltigkeit- auf dem Schiff herrschte gute Laune, Genuss und Geselligkeit. Alles hat seinen Ursprung im denkmalgeschützten „Geist und Rauch“ von 1957.

Die Cigarren des diesjährigen Smoke on the Water – Abends stammten allesamt aus den Manufakturen des weltweit führenden Anbieters handgerollter Cigarren, aus dem Hause der Scandinavian Tobacco Group (STG). Drei Momente- CAO CAMEROON, MAGIC TOAST und MACANUDO EMISSARY ESPANA- drei Cigarren, ein bleibender Abend, den Martin Felix (STG- Markenbotschafter) mit seiner Expertise begleitete. Er berichtete aus der Welt handgemachter Cigarren: Vom Samenkorn bis zur fertigen Cigarre, braucht es über 100 Hände. Nach der bis zu 60 Tage dauernden Trocknung werden die Tabakblätter in so genannten Sweet Rooms fermentiert. Bei 75 % Luftfeuchtigkeit und bis zu 42 Grad müssen die Tabakblätter 3x am Tag von Hand gedreht werden. Beim Fermentierungs- Prozess wird in den Blättern Zucker abgebaut. Dabei entsteht aggressiver Ammoniak. Damit die Nasenhaare und Schleimhäute der Arbeiter sich nicht zersetzen, tragen sie Schutzkleidung (Masken). Nach ungefähr 30 Tagen gelangen die nun produktionsreifen Tabakblätter in die Zigarrenmanufakturen der STG. Aus Einlage, Umblatt und Deckblatt werden durch erfahrene Hände die Cigarren gerollt. Anschließend müssen die Cigarren mindestens einen Monat lang und mehr in riesigen Zedernholz- Humidoren reifen. Erst dann erhalten die Cigarren ihre Banderole, werden in Cigarrenkisten verpackt und gehen in den weltweiten Verkauf.

Die „Mudder Schulten“ erreicht den Lieps- Kanal. Schlagartig flaut der Wind ab und alle Passagiere genießen die unberührte Natur in einem der ältesten Naturschutzgebiete Deutschlands. Letztes Jahr konnte kein Schiff den Liepskanal passieren, weil vom Sturm umgekippte Bäume die Passage blockierten. Diesbezüglich wurde der Kanal in seiner gesamten Breite gut frei geschnitten und geräumt. Der Kanal verschlammt dennoch zusehends. „Uns Fritzing“, das Neu-SW- Linienschiff, läuft in diesem Jahr Prillwitz überhaupt nicht mehr an, weil es im Kanal stecken bleiben würde. Die „Mudder Schulten“ hat einen wesentlich geringeren Tiefgang (90 cm) und kann derzeit noch die bei Touristen und Einheimischen sehr beliebten Liepsfahrten anbieten. Das eine ist die Hand breit Wasser unter dem Kiel, eine andere Problematik ist nach Meinung von viertorestadt.de die Wasserkühlung der Schiffs-Maschine: Das angesaugte Kühlwasser beinhaltet auf Grund der geringen „Bodenfreiheit“eine Menge angesaugten Schlamm und könnte durchaus im Laufe der Saison irgendwann Filter und Ansaugrohre verstopfen.

Die Stadt Neubrandenburg muss endlich mal Initiative zeigen und mit einem Schwimmbagger den Kanal von Schlamm und Sedimenten befreien lassen!

Ein Seeadler thront auf der Spitze einer großen Esche und lauert auf Beute. Die vorüber gleitende „Mudder Schulten“ stört ihn nicht die Bohne, auch die vielen auf ihn gerichteten Handys und Fotoapparate ignoriert der adulte König der Lüfte. Anders verhalten sich die Kormorane auf Kietzwerder, der Prillwitz vorgelagerten Insel. Viele Kormorane fliegen auf, andere bleiben sitzen. Der Anblick von Kietzwerder erschüttert die Gemüter, denn Tonnen von Kormoran-Kot lassen die einst grüne Insel, die von mächtigen Bäumen bewachsen war, in der Lieps versinken.

Mit der Rückkehr in den Tollensesee drehte der Kapitän sein Schiff in den windgeschützten Bereich. Viele Raucher hatten gerade ihre zweite Cigarre fertig geraucht und so passte es perfekt, als Britta Wutschke das Buffet eröffnete. Soljanka, Ochsen- Bäckchen und Tiramisu standen sehr hoch in der Gunst vieler anwesender Gourmets. Kurz um, die gesamten vom Restaurant Wollenberg zubereiteten Speisen waren lecker!

Mitten im kulinarischen Genuss fiel das Thermometer auf 17 Grad und der Wind peitschte kalte Regentropfen über das Sonnendeck. Das Wetter spielte heute wirklich nicht mit. Doch es war halb so schlimm; man rückte unter Deck etwas dichter zusammen, denn auch hier durfte nach Herzenslust geraucht werden. Zu Semannsgarn und persönlichen Geschichten gab es nun halt keine frische Luft und keinen Sonnenschein, dafür aber geschnittenen Cigarrenrauch und eine innerlich wärmende, gepflegte Spirituosenauswahl- ein Prosit der Gemütlichkeit! Ehe man sich versah, war es auch schon 22:00 Uhr und die Mudder Schulten lag fest vertäut am Badehausanleger. Viel zu schnell verging die Zeit, viel zu schnell neigte sich „Smoke on the Water“ seinem Ende zu.

Den nächsten Termin sollten sie sich, verehrte viertorestadt-Leserinnen und Leser durchaus schon jetzt notieren: Im Güterbahnhof findet am 10. Oktober 2026 die Genussmesse statt. Die auf 400 Plätze limitierten Karten sind im „Geist und Rauch“ von Britta Wutschke zu haben.

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